Kurze Dorf- und Vereinsgeschichte

zum 100-jährigen Gründungsfest des Kirchenchores St. Bartholomäus und des Musikvereins Eintracht in Mützenich

Wie bei der Musikkapelle bestanden auch vor der Gründung des Kirchenchores Gesangsgruppen in lockerer Zusammenfassung, die aber nie eine lange Lebensdauer hatten. So entschloß man sich, einen Gesangsverein mit festen Satzungen und ordnungsgemäßem Vorstand zu gründen. Aus den Berichten der ersten Jahre kann man freilich entnehmen, daß mit der Gründung keineswegs alle Schwierigkeiten, welche vielleicht die vorhergehenden Gruppen hatten, überwunden waren. Die Mitglieder wechselten oft, und die Situation gleicht in den ersten Jahren einem großen Lernprozeß, den alle Mitglieder durchmachen mußten. So ist es z. B. nicht verwunderlich, wenn Strafgelder für "Nichterscheinen" oder "Zuspätkommen" bei den Proben festgesetzt wurden. Dadurch sollten wahrscheinlich der Chorgeist und die Gemeinschaftsleistungen des Chores gefördert werden. Übrigens ein Rezept, welches auch heute nach hundert Jahren noch manchmal angewendet werden könnte.

Unter dem ab 14.7.1887 neu in die Gemeinde eingeführten Pfarrer Josef Kreuer konnte der damals drei Jahre alte Chor sich festigen und aufblühen. Herr Kreuer war vorher Rektor in Eupen. Er war dem Gesang sehr zugetan und auch oft bei den wöchentlichen Proben anwesend. Außerdem leitete er den Chor der Frauenkongregation. So konnten gelegentlich beide Vereinigungen und die Musikkapelle bei großen Festen und sonstigen Anlässen gemeinsam auftreten, was sich günstig auf diese Vereine auswirkte. Die durchschnittliche Mitgliederzahl des Kirchenchores beträgt in diesen Jahren 25 bis 30 Personen.

In die letzte Amtszeit des Pfarrer Kreuer fällt auch die Anschaffung der Kirchenchorfahne, welche am 19.August 1894 eingeweiht werden konnte. Sie ist damit heute die älteste noch vorhandene Fahne unseres Dorfes.

Über die Anschaffung noch ein paar Bemerkungen. Wegen der allgemein bekannten Armut der damaligen Bevölkerung konnte solche Anschaffung nur gemacht werden, wenn alle Bewohner des Ortes ihr kleines Opfer dazu gaben. Aus einem Brief unseres ehemaligen Ehrenmitglieds Paul Felser aus dem Jahre 1951 kann man u. a. auch entnehmen, daß Bekannte des Pastor Kreuer und reiche Leute aus Eupen für die Vereinsfahne gespendet haben. Sie konnte daher in verhältnismäßig kurzer Zeit angeschafft werden. Aus diesem Brief ist auch ersichtlich, wie arm Kirche und Gemeinde waren. z.B. waren im Gesangverein wenige Choralbücher vorhanden, so daß fünf oder sechs Personen aus einem Buch singen mußten. Dabei kam es vor, daß falsch und nicht zusammen gesungen wurde und von vorne angefangen werden mußte. Das brachte den Chorsängern den Spitznamen "Choresel" ein. Als mit dem für die Fahne gesammelten Geld, welches noch übrig war, dann Chorbücher angeschafft wurden, wurde auch der Gesang wieder besser, und aus den "Choreseln" wurden wieder Chorsänger.

Betrachtet man heute diese damals beginnende Entwicklung, so kann man erkennen, daß das Vereinsleben vor und nach der Jahrhundertwende in unserer Gemeinde allgemein aufblühte und unsere ganze Bevölkerung hierzu beigetragen hat. Dies setzte sich auch in den folgenden Jahrzehnten fort. Insbesondere die Nachfolgejahre der beiden Weltkriege 1914- 1918 und 1939- 1945 brachten neuen Schwung und Auftrieb in die bestehenden Vereine und führten auch zu Neugründungen.

1903 wurde die freiwillige Feuerwehr gegründet.

Und in den zwanziger Jahren der Schützenverein, der Turnverein (TV), das Trommlercorps, der Theaterverein und der Sportverein (TUS).

Dies mag ein Zeichen von ansteigendem Wohlstand sein. Es ist aber auch ein Indiz für die zunehmende Bereitschaft der Bevölkerung, als Ort und Dorfflecken zusammenzuwachsen und durch gemeinsames Tun, Arbeiten und Feiern hier das Leben lebenswert zu machen.

Zur Vervollständigung: 1949 wurde als erster Reiterverein des Kreises Monschau der Mützenieher "St. Georg"-Reiterverein .gegründet. 1970 entstand das Ortskartell, und seit einigen Monaten besteht eine Ortsgruppe der Landfrauen und des Eifelvereins.

So wirken also u.a. die Jubelvereine Musik "Eintracht" und Kirchenchor auch heute noch wesentlich bei der Gestaltung der weltlichen und kirchlichen Ortsfeste mit. Ja, alle diese Feste sind ohne die Mitwirkung der heutigen Jubelvereine fast nicht denkbar.

Neben diesen Auftritten werden jährliche Konzerte gemeinsam und einzeln auf örtlicher - überörtlicher und kirchlicher Ebene durchgeführt.

Jede Zeit prägt ihre Menschen, ihre Umwelt und ihr Leben. So ist es verständlich, daß am Ende des verflossenen Jahrhunderts andere Musik und andere Gesänge üblich waren als in unserer Zeit. Die moderne Neuzeit mit all den technischen Errungenschaften ist auch im Bereich der Musik wirksam.

In den zwanziger Jahren gab es Tänze und Unterhaltungsmusik, die uns heute abhanden gekommen sind oder nicht mehr der Zeit entsprechen. So. z.B. Lancier, Rheinländer in richtiger Schrittfolge; Schottisch und Galopp. Wie schon früher erwähnt, wurden alle Tänze und jede Ballveranstaltung von der Blasmusik gespielt. Dabei ist es für jüngere Leute vielleicht interessant zu hören, daß diese Tanzmusiker im Saale auf einer Empore ca. 2 bis 3 m über dem Tanzboden (also unter der Decke) saßen. Welche Strapazen hinsichtlich reiner Luft, Qualm, Hitze, Durst und dergleichen das für diese Musiker waren, kann sich jeder selbst ausdenken.

Im kirchlichen Bereich wurden meistens lateinische Gesänge und Messen vorgetragen. So gehörte der "gregorianische Choral" zum festen Bestandteil der Sonntags- und Begräbnismessen. Heute wird er noch nicht jedes Jahr einmal gesungen. Eigentlich schade, wenn man weiß, daß diese Gesänge über tausend Jahre alt sind. Nun wird vielleicht manch einer sagen: ein Glück, daß dieses "Gejammer", was sowieso keiner verstand, aus unseren Messen verschwunden ist. Ich plädiere auch nicht für die konsequente "Wiedereinführung", aber gelegentlich wäre dieser Gesang angebracht, sinnvoll und schön.

Das gleiche gilt auch für die o. a. älteren Tänze und Musikvorträge. Vielleicht eine Anregung diese Tänze, alten Gesänge und Musikstücke aus der Mottenkiste zu kramen, zu lernen und bei Dorffesten oder Vereinsfeiern vorzutragen.

Die entsprechende Kleidung aus der Zeit um die Jahrhundertwende würde nicht ohne Interesse für die Zuschauer sein.

Im Verlaufe der vergangeneo Jahrzehnte hat es bei den Musikvereinen nicht an größere Zusammenschlüssen auf Orts- und Kreisebene gefehlt. Die Instrumente wurden allgemein verbessert und verfeinert. Neu kam das Saxophon in die Blasmusik. Besseres Notenmaterial wurde angeboten. So war der Wunsch, schwierigere und schönere Musik anzubieten, verständlich. Dies hoffte man durch größere Kapellen oder eben durch gewisse Zusammenschlüsse zu erreichen. So wurde auf Anregung des Musikvereins "Eintracht" Mützenich am 23. Oktober 1932 im Lokal Wilden in Simmerath ein "Kreismusikerverband Monschau" gegründet. Der erste Vorsitzende dieses Verbandes wurde das Vereinsmitglied Clemens Gehlen. Diesem Verband gehörten 7 Kapellen unseres Kreises Monschau an. Durch die beginnende NS-Zeit und den zweiten Weltkrieg ist dieser Zusammenschluß zerfallen bzw. nicht mehr aktiviert worden. Erst lange Zeit nach dem Kriege 1945 wurde durch Herrn Heinz Kunz in unserem damals noch bestehenden Kreis Monschau bei den Musikvereinen für den Beitritt zum Deutschen Volksmusikerbund geworben.

So entschloß sich auch unser Musikverein "Eintracht" für die Mitgliedschaft.

Die Mitgliedskarte vom 12.7.63 trägt die Nr. 1749 und gilt ab 1.7.1963. Leider sind diesem Verband nicht viele musischen Vereine aus der hiesigen Gegend beigetreten, so daß der Deutsche Volksmusikerverband hier nicht in Erscheinung tritt und keine große Bedeutung hat. Eigentlich schade, weil jetzt alle musischen Vereine versuchen, auf ihre Weise oder nach eigenem Gutdünken vorwärtszukommen, während bei gemeinsamem Vorgehen die berechtigten Forderungen und Anliegen aller Vereine besser durchgesetzt werden könnten.

Es darf erwähnt werden, daß der Musikverein "Eintracht" an folgenden drei Landesmusikfesten mit Erfolg teilgenommen hat:

1. Beim Landesmusikfest in Erkelenz am 22.5.66 in der Unterstufe mit Rang 1.

2. Beim Landesmusikfest in Burscheid bei Köln am 5.7.81 in der Mittelstufe mit Rang 2.

3. Am 29.5.83 beim Landesmusikfest in Übach-Palenberg in der Mittelstufe mit Rang 2.

Diese Landesmusikfeste stehen unter dem Protektorat des Deutschen Volksmusikerverbandes und werden jeweils von den Landesbezirken durchgeführt.

Vielleicht kann an dieser Stelle auch etwas über Leistung und Auftreten des Musikvereins gesagt werden.

Seit 1954 gibt es im Kreis Monschau das "Kreismusikfest". Dieses Fest wurde vom Kreiskulturamt geplant, organisiert und in jedem Jahr von einem Musikverein durchgeführt. Hierbei wurden Jubiläen berücksichtigt oder interessierte Vereine durch Los oder Einigung ermittelt.

Der Musikverein "Eintracht" Mützenich ist einer der wenigen Vereine, die seit 1954 ununterbrochen jedes Kreismusikfest besucht und mitgefeiert hat.

 

zurück